|
Dr. Erwin Stresemann
Dr. Erwin Stresemann (1889-1972), wohl der bekannteste deutsche Ornithologe unserer Zeit, wurde von seinem Studium 1908 über Jena nach München und Freiburg geführt, er promovierte 1920 in München mit einer Dissertation über "Die Variation der Körpergröße bei Vögeln" und war zusammen mit C. E. Hellmayr an den Sammlungen des Bayerischen Staates beschäftigt. Es entstanden neben der "Avifauna Macedonica" (1920) eine Reihe von Untersuchungen wie die der europäischen Mattkopfmeisen, der europäischen Formen der Baumläufer, der Schwanzmeisen und des Gimpels. Die hier vertretenen geistvollen Theorien (Einfluß der Eiszeit auf die Entstehung nahe verwandter Arten und Rassen, ferner Fragen der Mutationen, der Gefiederwandlungen, der Mauservorgänge, der Taxonomie, des Zuges) brachten für die ältere Generation überraschend neue Gesichtspunkte und deuteten einen Wandel in der Entwicklung der Ornithologie auf Weltebene an, indem sie auch der tiergeografischen Betrachtungsweise Ernst Harterts über das Problem der Subspezies zum Durchbruch verhalfen. Die Ernennung zum Verwalter der Vogelabteilung im Zoologischen Museum von Berlin im Jahre 1921 war daher ein natürlicher Vorgang. Als seine enzyklopädischen "Aves" fertig vorlagen, war er nach dem Urteil der Fachwelt in die Reihen der ganz großen Ornithologen eingerückt. Über 600 Veröffentlichungen aus des Verfassers Feder sind zum 80.Geburtstag des Meisters zusammengefaßt worden. Sie bilden ein unentbehrliches Werkzeug für den Wissenschaftshistoriker, der die Bahn des zoologisch und sprachlich gleich begabten Mannes schildern will. |