Dr. Karl Parrot

Dr. Karl Parrot, als Sohn eines Arztes geboren am 1.2.1867 in Castell/Unterfranken, studierte in München, Berlin und Wien Medizin und ließ sich in München als Frauenarzt nieder. Vorzeitig mußte er aber wegen asthmatischer Beschwerden auf die Berufsausübung verzichten. Freude an der Naturbeobachtung und vor allem an der Vogelwelt führte den feinsinnigen Liebhaber mehr und mehr zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Stoffgebiet seiner Neigung. Selbstkritik, Studium der Literatur, größere Reisen, ehrenamtliches Wirken an der Zoologischen Staatssammlung in München kennzeichnen den Weg seiner Willensstärke. Er war einer von denen, die das Interesse des Anatomen und Systematikers mit dem des Freilandbeobachters zu verknüpfen wußten. Die Bälge überseeischer Ausbeute behandelte er mit derselben wissenschaftlichen Verantwortlichkeit, mit der er sich dem lebenden Vogel und der faunistischen Erkundung Bayerns widmete. In fast 50 kleineren und größeren Veröffentlichungen reiften zwischen 1890 und 1910 die Früchte seines Wissens. Er fühlte sich daher gedrängt, das seit dem Tode Andreas Johannes Jäckels in Bayern fast brachliegende Feld der Ornithologie neu zu bestellen und war maßgeblicher Initiator zur Gründung des Ornithologischen Vereins München, der sich durch den Zustrom frischer Kräfte aus ganz Bayern 1904 zur Ornithologischen Gesellschaft in Bayern erweiterte. Bis zu seinem Tode blieb er der Vorsitzende und gab die Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft heraus; er verstand auch, die Mitarbeiter zu gewinnen und sie an ungelöste Fragen heranzuführen, wie Studium der bayerischen Besiedlungs- und Zugverhältnisse, Ausbau eines ganz Bayern umfassenden Beobachternetzes mit der Veröffentlichung der "Materialien zur bayerischen Ornithologie", Erforschung der wirtschaftliche Bedeutung der Vögel durch Magenuntersuchungen, Beringung usw. Als er 1911 im besten Mannesalter unerwartet an den Folgen einer Operation starb, war sein Ansehen nicht nur in Bayern fest gegründet.

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