Angenommene Manuskripte

                Stand: 19. Februar 2017   Närmann, F., Küfmann, C. & E.L. Neuschulz: Präferenzen des Tannenhähers Nucifraga caryocatactes beim Anlegen von Samenverstecken. Die Samenausbreitung von Pflanzen durch vorratshaltende Tiere ist ein weit verbreitetes Phänomen. Dabei ist es für die Pflanze von entscheidender Bedeutung, wo im Umweltraum das Tier seine Samenverstecke anlegt, da das Mikroklima hohen Einfluss auf die Etablierungswahrscheinlichkeit der Pflanze hat. In dieser Studie untersuchten wir das Versteckverhalten des Tannenhähers Nucifraga caryocatactes in Bezug auf die mikroklimatischen Bedingungen der Versteckorte. Tannenhäher bilden eine mutualistische Lebensgemeinschaft mit der Zirbelkiefer Pinus cembra. Die Samen der Zirbelkiefer stellen die wichtigste Nahrungsquelle des Tannenhähers dar, der gleichzeitig der wichtigste Samenausbreiter der Zirbelkiefer ist. Das Versteckverhalten des Tannenhähers wurde von August bis September 2014 in den Schweizer Zentralalpen entlang eines Höhengradienten von 1.850 bis 2.300 m ü.NN beobachtet. Um Versteckorte von Nicht-Versteckorten unterscheiden zu können, nahmen wir zusätzlich standardisierte Bodenproben, die wir auf von Tannenhähern versteckte Zirbelkiefersamen hin untersuchten. An Versteckorten und Nicht-Versteckorten wurden bestimmte Umweltvariablen (Kronendachöffnung, Bodenfeuchte, Bodenvegetation, Hangneigung, Verfügbarkeit von Stickstoff, Abstand zur nächsten fertilen Zirbelkiefer) erfasst. Wir testeten ob das Mikrohabitat einen signifikanten Einfluss auf das Versteckverhalten hatte. Tannenhäher legten Samenverstecke am häufigsten zwischen 2.000 und 2.100 m ü.NN an. Die Vögel bevorzugten Versteckorte, die eine geringe Kronendachöffnung aufwiesen, z.B. in der Nähe von Baumstämmen. Frühere Studien zeigten eine hohe Etablierungswahrscheinlichkeiten von Zirbelkieferkeimlingen bei hoher Kronendachöffnung. Somit deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass das Versteckverhalten der Tannenhäher nicht nur von Vorteil für die Verjüngung der Zirbelkiefer sein könnte. Sobald die Samen gekeimt sind, können sie vom Tannenhäher nicht mehr als Nahrungsquelle genutzt werden. Aus diesem Grund wählt der Tannenhäher möglicherweise bevorzugt Versteckorte mit geringer Etablierungswahrscheinlichkeit, um der Verderblichkeit seiner Nahrung vorzubeugen.

Eingegangen am 22. November 2016

Angenommen nach Revision am 19. Januar 2017

____________________________________________________________________________________________   Wink, U.: Bestandsabnahmen beim Neuntöter Lanius collurio im Ammerseegebiet. Eine Langzeitstudie von 2002 bis 2016. Der Neuntöterbestand im Ammerseegebiet wird über 15 Jahre von 2002 bis 2016 auf je 15 km² großen besiedelten Flächen auf den Südwest-Moränen und in der Ebene dokumentiert. Sein Maximum hatte er 2005 mit 81 Revieren erreicht: 60 Reviere an den Hängen, 21 in der Ebene. 2008 kam es zu einem Bestandseinbruch um ein Drittel: an den Hängen wurden nur noch 37 besetzt und nur 15 in der Ebene. 2011 gab es einen erneuten Einbruch durch einen Zugstau, möglicherweise verursacht durch eine Schlechtwetterperiode im Mittelmeerraum. Es gab Verluste erneut um ein Drittel an den Hängen, wohin nur noch 30 (von im Vorjahr 45) Neuntöter zurückkehrten, in der Ebene noch 9 von 10. Das Minimum zeigte sich aber erst im Folgejahr 2012 mit 23 besetzten Revieren an den Hängen und 5 in der Ebene. Nach diesen Verlusten verblieben an den Hängen zwischen 22 bis 24 Reviere (mit einer Ausnahme von 28 in 2013), während in der Ebene ein Anstieg 2012 von 5 Revieren auf 11 in 2016 erfolgte. Insgesamt ging aber die Anzahl der Reviere seit dem Maximum 2005 und 2006 auf mehr als die Hälfte zurück. Die Siedlungsdichte von maximal 4,1 Revieren/km² 2006 an den Südwest-Moränen und 1,4 Rev./km² 2005 in der Ebene wurde in den Folgejahren nicht mehr erreicht. Sie schwankte von 2008 bis 2016 zwischen 3 und 1,4 an den Hängen und zwischen 1 und 0,6 Revieren/km² in der Ebene. Die hohe Siedlungsdichte bis 2007 beruhte auf einem guten Angebot an Nistmöglichkeiten mit der Nähe zu Weiden, das an den Hängen drei bis viermal so hoch war wie in der Ebene. Hauptursachen für die Bestandsabnahmen liegen im Verlust von Brutplätzen im Brutgebiet. Dazu kam es durch Abholzen, Auslichten oder Zuwachsen von Büschen und Hecken. Nach Aufgabe von Beweidung wurden die Zäune entfernt, wodurch letzte Brachestreifen vernichtet und Insektennahrung dezimiert wurden. Beeinflusst wurden die landwirtschaftlichen Veränderungen u. A. durch den Wegfall von EU-Prämien für Beweidung 2008. Insgesamt kam es zu einem Verlust von 26 Brutplätzen.

Eingegangen am 8. November 2016

Angenommen nach Revision am 4. Februar 2017

____________________________________________________________________________________________   Scherzinger, W.: Eulen-Hybride (Strigiformes), unerwünscht im Artenschutz – doch aufschlussreich für taxonomische Vergleiche. Alle Eulen der Ordnung Strigiformes lassen sich auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen (Monophylie). Wenn auch in 2 Familien bzw. 5 Unterfamilien gegliedert, dürfte dieser relative nahe Verwandtschaftsgrad die Hybridisierung aus artfremden Elterntieren erleichtern. Bis dato sind an die 28 derartige Kreuzungen bestätigt, großteils innerhalb derselben Gattung, vereinzelt auch Triben-übergreifend. Im Unterschied zur gezielten Hybridisierung von Jagdfalken gehen Eulen-Hybride meist auf Zufallspaarungen zurück, wie sie speziell durch Fehlprägung handaufgezogener Individuen begünstigt werden. Unter Freilandbedingungen kommt Hybridisierung vor allem im Überlappungsbereich benachbarter Populationen vor. Auch können bisher getrennt lebende Arten durch nutzungsbedingte Veränderung der Lebensräume aufeinandertreffen und Hybride zeugen. Bei kleinen Reliktpopulationen kann das zu erheblicher Gefährdung der Arterhaltung führen, wie im viel diskutierten Beispiel der Vermischung von Fleckenkauz Strix occidentalis und Streifenkauz Strix varia in den Nebelwäldern Nordamerikas. Die Kenntnis von Hybrideulen aus gesicherter Elternschaft kann für die Identifizierung von Mischlingen im Freiland hilfreich sein. Beispielhaft werden Merkmale von Habitus und Gefieder von Hybriden aus Kreuzungen von Bartkauz Strix nebulosa x Malaienkauz Strix leptogrammica, Schneeeule Bubo scandiaca x Uhu Bubo bubo und Waldohreule Asio otus x Waldkauz Strix aluco in auffälligen Details beschrieben.

Eingegangen am 31. Januar 2017

Angenommen nach Revision am 19. Februar 2017