Angenommene Manuskripte

Stand: 17. November 2019

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Prinzinger, R. & C. Prinzinger: Können Vögel den giftigen Buchsbaum-Zünsler Cydalima perspectalis fressen? Eine kritische Analyse zur Frage, wie Tiere mit natürlichen Giften umgehen

Der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis ist ein invasiver, ostasiatischer Schmetterling, der um 2006 nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. Die Raupen verursachen enorme Schäden an Buchsbäumen Buxus sempervirens, die bittere und giftige Alkaloide als Fraßschutz enthalten. Umstritten ist, ob Vögel die Raupen, Puppen oder Schmetterlinge fressen oder nicht. In einem kleinen Freilandexperiment konnte man nicht beobachten, dass Vögel Zünsler-Raupen aufnahmen. Videos und Fotos zeigen aber zumindest die Aufnahme. Dieser Widerspruch wird in der Arbeit beleuchtet.

Der Buchsbaum ist in allen Teilen giftig: er enthält rund 70 verschiedene Alkaloide, darunter Cyclobuxin D bis ca. 3%. Alkaloide können gut in Fetten und Ölen gespeichert (sequestriert) werden und sie können konzentrationsabhängig bis zum Tod führen. Einige werden erst nach Umwandlung im Organismus selbst wirksam. Für viele Insekten sind sie oft nicht giftig werden aber durch Speicherung selbst vor dem Gefressen geschützt.

Manche Feinde haben Strategien dagegen entwickelt. Am Beispiel von dem im Tierreich weit verbreiteten und gut untersuchten Alkaloid Tetrodotoxin (TTX) werden ….. gezeigt. Wie Cyclobuxin ist es ein Abwehrstoff gegenüber Fressfeinden. Der Gelbbauchmolch (Taricha sp.) zählt durch TTX zu den giftigsten Lurchen. Die Strumpfbandnatter (Thamnophis sp.) hat aber eine Resistenz gegen dieses Gift entwickelt. Für Säugetiere ist TTX hoch giftig. Gegen Alkaloide können unabhängig davon auch körpereigene Entgiftungsmechanismen bestehen (z.B. Hasen, Rehe und Kaninchen gegen die Tollkirsche). Das gilt z.B. auch für cyanogene Stoffe im Kirschkern für den Kernbeißer.

Diese Beobachtungen werden im Zusammenhang mit Vögeln und Buchsbaumgiften diskutiert: Die Frage lautete, warum wurden bisher trotz der Häufigkeit des Buchsbaumzünslers nur sehr wenige Vögel beobachtet, die Raupen fressen und wie es mit der Giftigkeit von Alkaloiden für Vögel per se steht.

Im Lebenszyklus des Zünslers könnte es ungiftige Phasen geben, in denen er gefressen werden könnte: Kurz vor und nach der Häutung der Raupen während des Wachstums, aber auch vor der Verpuppung und als Imago sind die Insekten darmentleert und damit alkaloidfrei. Vögel könnten den Zünsler in diesen Entwicklungszeiten fressen, was aber bedeuten würde, dass sie diese Phasen erkennen. Aber auch mit leerem Darm könnten die Zünsler noch giftig sein, wenn das Cyclobuxin nicht nur gespeichert, sondern auch angereichert würde. Mit Resistenz und/oder Entgiftung könnten die Vögel dagegen ankämpfen. Solche Strategien sollten vor allem dort vorkommen, wo Feind und Beute schon lange gemeinsam leben. Für den Zünsler wären dies z.B. Rotschwänze und Haussperlinge. Für die Koevolution von Huhn und Kartoffelkäfer (Leptinotarsa) sind diese Mechanismen bekannt: Abspeicherung (Sequestrierung) und Ausscheidung in das tote Gefieder von giftigem Batrachotoxin von gefressenen Käfern (Choresine) ist bei Pitohuis (Pitohui) und Flötern (Ifrita) bekannt. Das gilt auch für Cantharidin aus Ölkäfern (Meloidae) bei der Sporngans (Plectropterus). Dies kennzeichnet die „Giftvögel“, weil es sie selbst giftig macht. Viele der genannten Strategien können zudem bei verschiedenen Arten und sogar engräumigen Rassen sehr unterschiedlich ausgebildet sein.

Ausblick: Zusammenfassend läßt sich folgern, dass es zum beschriebenen Problem des Umgangs von Freßfeinden mit Giftstoffen der Beute sehr widersprüchliche Beobachtungen und Aussagen gibt. Diese lassen sich vermutlich nur durch Versuche klären, bei denen die verschiedenen Hypothesen geprüft und Widersprüche dadurch geklärt werden können. Wichtiger sind aber zusätzliche Freilandbeobachtungen von Ornithologen aus möglichst vielen Regionen, die die natürlichen Bedingungen am besten repräsentieren und so auf eventuelle regionale Unterschiede hinweisen können. Diese Beobachtungen sollten nach Möglichkeit mit Fotos und/oder Videos dokumentiert werden.

Eingegangen am 18. Juni 2019

Angenommen nach Revision am 13. Oktober 2019

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Nothdurft, W.: Der Fichtenkreuzschnabel Loxia curvirostra im Ulmer Raum: Bestandsfluktuationen, Ernährung und Brutaktivitäten

Das Vorkommen des Fichtenkreuzschnabels im Ulmer Raum wurde in der Zeit vom 01. 01.1989 bis 31.12.2004 in einem etwa 1.050 km2 großen Gebiet untersucht. Grundlage waren ganzjährige Kontrollen in einem zusammenhängenden Nadelholz- Laubmischwald (4,6 km2 ) im Zentrum des Gebietes und in fünf weiteren Waldungen und Beobachtungsdaten von vielen anderen Beobachtern. Fichtenkreuzschnäbel wurden in 14 der 16 Jahre jeweils in allen Jahreszeiten angetroffen.

In einigen Jahren, in denen sie anfangs nur spärlich aufgetreten waren, erfolgten zwischen April und Juli Einwanderungen ins Gebiet. In manchen Jahren gab es auch im Oktober/November kurzfristig stärkere Vorkommen.

Häufigkeit bzw. Populationsgrößen, Aufenthaltsdauer und Brutverhalten hingen von der Stärke des Zapfenansatzes bei der Fichte ab, wurden aber auch deutlich von den Zapfenansätzen bei der Lärche als verbreitetem, wenn auch nicht sehr häufigem Nadelbaum beeinflusst, was aus vielen Einzelbeobachtungen hervorgeht und durch statistische Auswertungen bestätigt wird. Bei geringen Fichtenzapfenansätzen wurden auch Lärchensamen bis zum Frühjahr des folgenden Jahres genutzt und wohl dadurch stärkere Vorkommen möglich. In einer 12-monatigen Periode mit mäßig starkem Fichtenzapfenansatz, in der die Lärche nicht geblüht hatte, gab es nur neun Beobachtungen.

In einigen der Perioden mit starken und sehr starken Fichtenzapfenansätzen gab es ab Juni/Juli stationäre Vorkommen bis April/Mai des folgenden Jahres und auch darüber hinaus. In letzteren Fällen standen restliche Samenmassen bis in die 2. Hälfte des folgenden Jahres als zusätzliche Nahrung zur Verfügung. Im Juni/Juli – in der Entwicklungsphase der Fichtenzapfen – wurden auch Lärchensamen aus den Zapfen vom Vorjahr oder aus neuen genutzt.

Bettelrufe (ohne Erkennung der Beteiligten) und Futterübergaben der Männchen an ihre Weibchen fielen zu 77% in Perioden mit starken und sehr starken Fruktifikationen der Fichte, überwiegend in die späte Phase zwischen Januar/Februar bis Mai. Bei schwachen Fichtenzapfenansätzen wurden die Brutaktivitäten durch restliche Samenangebote vorausgegangener starker Zapfenansätze und ggf. Lärchensamen als Zusatznahrung begünstigt. Von acht Brutnachweisen (Nestbau, Familien mit Jungen) erfolgten fünf in Perioden mit starken Fichtenzapfenansätzen. Bei den anderen drei Bruten zu Zeiten schwacher Fichtenzapfenansätze waren wahrscheinlich Lärchensamen wichtige Zusatznahrung. Im gesamten Zeitsegment waren Kreuzschnäbel im Juni/Juli und Oktober am regelmäßigsten anwesend (bei Dekadensummen in 14 Jahren) und am häufigsten, am unregelmäßigsten traten sie im Mai und Dezember auf.

Eingegangen am 25. Juli 2019

Angenommen nach Revision am 10. November 2019

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Ristow, D.: Schwarmauflösung und Revierbesetzung bei der Feldlerche Alauda arvensis in der Münchener Schotterebene

Im Landschaftspark Hachinger Tal und auf den angrenzenden Feldern am Stadtrand von München wurden jeweils Februar-Mai 2005-2018 die angetroffenen Feldlerchen kartiert. Beim Zughöhepunkt Angang März rasten die größten Schwärme, während bis Ende März kleinere Gruppen rasten. Felder werden den Wiesen vorgezogen. Dieses Grundmuster bei normaler Wetterentwicklung wird fast jährlich durch Warmwetterschübe und Kälteeinbrüche modifiziert. Zeitgleich mit den Schwärmen sind räumlich getrennt davon einzelne Ind. und Paare anwesend, die bei Wetterrückschlägen ihr bereits besetztes Revier wieder räumen können. Es gibt Anzeichen dafür, dass bei ausgedehnten Warmwetterperioden die Schwärme kleiner sind. Prädatorendruck könnte eine wesentliche Rolle bei der Evolution zum Schwarmverhalten spielen, ohne dass dabei ein Vorteil für eine Lerchengruppe vorhanden ist.  Im ausgewiesenen Lerchenschutzgebiet des Parks nahm der Brutbestand beträchtlich ab, in den benachbarten Feldern jedoch nicht. Die Ursachen für diesen Unterschied werden in anthropogenen Störungen insbesondere zu Beginn der Brutzeit gesucht.

Eingegangen am 14. März 2019

Angenommen nach Revision am 13. Oktober 2019

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Meyer, H.: Zur Populationsdynamik des Raufußkauzes Aegolius funereus bei Hof (Saale) und München

In zwei Brutgebieten des Raufußkauzes in Bayern, die ca. 300 km voneinander entfernt liegen, wurden durch die langjährige Erfassung aller Bruten Daten zur Populationsdynamik gesammelt. Die Population bei Hof in Nordbayern wurde auf 40 km² Waldfläche mit 70 Nistkästen gestützt, die Population bei München in Südbayern auf 160 km² Waldfläche mit 250 Nistkästen. Diese standen den Käuzen bei Hof ab 1996, bei München ab 2000 zur Verfügung.

Die Ergebnisse veranschaulichen die durch die zyklischen Schwankungen des Kleinsäugerangebots bedingten jährlichen Schwankungen in der Reproduktion des Raufußkauzes, die in den beiden Erfassungsgebieten teilweise unterschiedlich verlaufen sind. Sie zeigen insbesondere auch den besorgniserregenden Niedergang der beiden Populationen, bis zu einem vorläufigen Tiefpunkt im Jahr 2018.

Die möglichen Ursachen für den Rückgang der Raufußkauz-Bestände bei Hof und bei München werden diskutiert: Veränderungen in der Waldstruktur, Zunahme des Waldkauz- und des Uhu-Bestandes, Prägung auf Baumhöhlen und Konkurrenzdruck an diesen Höhlen, irreguläres Balzverhalten der Raufußkauz-Männchen.

Eingegangen am 1. Juli 2019

Angenommen nach Revision am 16. September 2019

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Siering, M. & J. Bäurle: Hinweise auf die Verdrängung eines Uhus Bubo bubo durch Rostgänse Tadorna ferruginea in Konkurrenz um Bruthöhle (Kurze Mitteilung)

Eingegangen am 9. August 2019

Angenommen nach Revision am 26. September 2019

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Bergmann, H.-H.: Blauelster Cyanopica (cyanus) cooki als Blütenbesucher (Kurze Mitteilung).

Eingegangen am 24. September 2019

Angenommen am 6. Oktober 2019