AG Seltene Brutvögel in Bayern (AGSB)

Arbeitsgemeinschaft Seltene Brutvögel in Bayern

 

Das Sammeln detaillierter Informationen zum Vorkommen seltener Brutvögel ist aus Sicht des Naturschutzes von grundlegender Bedeutung. Nur möglichst genaue Angaben zu Bestandsentwicklungen und lokalen Vorkommen können zum Schutz der jeweiligen Arten und ihrer Lebensräume eingesetzt werden. Häufig wird versucht, das Vorkommen seltener Brutvogelarten durch strikte Geheimhaltung zu schützen; dies erweist sich in Bezug auf die breite Öffentlichkeit sehr oft als richtig. In der Vergangenheit hat es sich jedoch vielfach gezeigt, dass dieses Vorgehen nicht zielführend und oft sogar kontraproduktiv ist. Aus diesen Gründen wurde nun in Zusammenarbeit zwischen Behörden und Verbänden wie dem Bayerischen Landesamt für Umwelt – Staatliche Vogelschutzwarte (LfU), der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e.V. (OG Bayern), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) die Arbeitsgemeinschaft Seltene Brutvögel (AGSB) in Bayern ins Leben gerufen. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft ist es, die teilweise zerstreuten Informationen zum Vorkommen seltener Brutvogelarten in Bayern zusammenzutragen, in einer Datenbank zu sammeln und ein langfristiges Monitoring aufzubauen. Die gesammelten Daten werden auch im Zusammenhang mit der Aktualisierung der Roten Liste für Bayern, der Erstellung von Brutvogelatlanten (z.B. ADEBAR) und in Bezug auf nationale und internationale Berichte, zu denen Deutschland im Rahmen internationaler Naturschutzabkommen verpflichtet ist, eine wichtige Rolle spielen (vergleiche Mädlow & Boschert 2003, Boschert 2005). Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem kontinuierlichen Datenaustausch zwischen LfU und AGSB zu. Die endgültige Datenarchivierung und ihre Verwaltung werden derzeit noch organisiert.

 

 

In Großbritannien existiert bereits seit 1972 das sogenannte »Rare Breeding Birds Panel« (RBBP), welches Daten zum Vorkommen seltener Brutvögel sammelt und ebenfalls in enger Kooperation mit den nationalen Naturschutzverbänden steht (Näheres auch unter http://www.rbbp.org.uk). Entscheidend ist hierbei, dass die gesammelten Daten unter bestimmten Auflagen und nur an legitimierte Institutionen (z.B. Naturschutzverbände) oder für seriöse wissenschaftliche Zwecke weitergegeben werden. In den regelmäßig erscheinenden Berichten des RBBP werden die Leser lediglich über die grobe Verbreitung und den aktuellen Bestand informiert, punktgenaue Angaben werden nicht veröffentlicht (z.B. Ogilvie & The Rare Breeding Birds Panel 2004). Durch diese Institution ist es in Großbritannien zum einen gelungen, ein auf einer soliden Datengrundlage basierendes Bestandsmonitoring seltener Brutvögel aufzubauen und zum anderen ein sehr wichtiges Instrument für den praktischen Naturschutz zu schaffen, ohne dabei das Vertrauen der zahlreichen verantwortungsbewussten Melder aufs Spiel zu setzen.

 

In Deutschland sammelt der DDA seit 1977 bzw. in stark erweiterter Form seit 1995 bundesweit Daten zu seltenen Brutvogelarten, vor allem durch gezielte Abfragen bei den Staatlichen Vogelschutzwarten und Fachbehörden (Mädlow & Boschert 2003). Die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft Seltene Brutvögel in Bayern soll selbstverständlich auch der Unterstützung dieses bundesweiten Monitoringprogramms dienen.

 

Meldeliste »Seltene Brutvögel« der AGSB (Stand 2012)

Bruten folgender Arten sollen der Arbeitsgemeinschaft Seltene Brutvögel in Bayern gemeldet werden:

Schwarzschwan, Kanadagans, Weißwangengans, Streifengans, Schwanengans, Nilgans, Brandgans, Rostgans, Brautente, Mandarinente, Pfeifente, Spießente, Knäkente, Löffelente, Kolbenente, Moorente, Eiderente, Schellente, Gänsesäger (nur nördlich der Donau), Steinhuhn, Haselhuhn (außerhalb der Alpen und des Bayerischen Waldes), Birkhuhn (außerhalb der Alpen), Auerhuhn (außerhalb der Alpen und des bayerischen Waldes), Rothalstaucher, Schwarzhalstaucher, Kormoran, Rohrdommel, Zwergdommel, Nachtreiher, Purpurreiher, Seidenreiher, Schwarzstorch, Weißstorch, Fischadler, Steinadler, Kornweihe, Wiesenweihe, Seeadler, Rotfußfalke, Wanderfalke, Kranich, Tüpfelsumpfhuhn, Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Uferschnepfe, Flussuferläufer, Rotschenkel, Grünschenkel, Waldwasserläufer, Kampfläufer, Schwarzkopfmöwe, Sturmmöwe, Silbermöwe, Mittelmeermöwe, Weißbart-Seeschwalbe, Flussseeschwalbe, Rosenköpfchen, Wellensittich, Mönchssittich, Steinkauz, Sumpfohreule, Uhu, Habichtskauz, Bienenfresser, Wiedehopf, Alpensegler, Dreizehenspecht (außerhalb der Alpen und des Bayerischen Waldes), Weißrückenspecht (außerhalb der Alpen), Raubwürger, Haubenlerche, Felsenschwalbe, Bartmeise, Berglaubsänger (außerhalb der Alpen), Schlagschwirl, Sperbergrasmücke, Ringdrossel (außerhalb der Alpen), Rotdrossel, Zwergschnäpper (außerhalb der Alpen und des Bayerischen Waldes), Steinrötel, Steinschmätzer, Brachpieper, Bergpieper (außerhalb der Alpen), Karmingimpel, Sonnenvogel, Hirtenmaina, Zippammer, Ortolan.

 

 

Referenz: dieser Text ist ein Auszug aus dem Artikel: Weixler, K. (2005), pdf

 

AG Seltene Brutvögel

Kontakt:

Kilian Weixler Postfach 52 D-87444 Waltenhofen E-Mail: AGSB[at]og-bayern.de

 
[Fotos Thomas Grüner: Karmingimpel und junge Zwergdommeln]