Jahresrundschreiben 2018


Tannenhäher Nucifraga caryocatactes, Foto: Thomas Grüner

Liebe OG-Mitglieder,

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als eines der zehn größten Risiken für die Menschheit gilt nach Angaben des World Economic Forums der Verlust an Artenvielfalt. Neben dem Schutz von Arten und Lebensräumen gilt auch bei uns in Bayern das hohe Bildungsziel, die Artenkenntnis zu stärken. Satzungsgemäß sieht sich die Ornithologische Gesellschaft in Bayern e.V. seit jeher in der Pflicht, Wissen zu Verhalten und Lebensraumansprüchen zu vermitteln. Unterstützend wird hier aktuell auf www.bisa100.de hingewiesen, ein Onlineprojekt, das sich vor allem an unseren Nachwuchs, an die Kinder und Jugendliche wendet, mit dem Ziel, über das spielerische Kennenlernen der Arten das Bewusstsein für die unverzichtbare Biodiversität zu steigern.

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Nur was man kennt, das liebt und schützt man auch. So ist die Kenntnis der Artenvielfalt als Grundlage des Artenschutzes auf jede mögliche Art und Weise zu stärken. Das wird aber immer schwieriger. Bayern als beliebtes Zuzugsland weist immer noch einen Spitzenwert beim Flächenverbrauch auf, der immer weniger ungenutzte oder wenig beeinflusste Naturflächen übrig lässt. Dieser Missstand muss dringend ordnungspolitisch angegangen werden. Die Bevölkerung erkennt immer mehr, wie wichtig es ist, der Natur als unser aller Lebensgrundlage höchste Priorität zuzuweisen. Die Ornithologie kann dabei helfen, Landschaftstypen zu bewerten, je nach dem, welche Vogelarten und in welcher Häufigkeit vorkommen. Langjährige Beobachtungen machen Veränderungen sichtbar und sind ein Gradmesser für Verschlechterungen bzw. in wenigen Fällen auch von Verbesserungen. Nicht zuletzt auch der Unterstützung durch viele bayerische Ornithologen ist der große Erfolg des Volksbegehrens Artenvielfalt zu verdanken. Es vermissen nämlich nicht nur Entomologen in Krefeld und im Donautal, sondern auch die Vogelkundler überall in Bayern die Artenvielfalt. Ehedem triviale und kommune Vogelarten gehen nach wie vor laufend mit Strukturen und Qualität der Lebensräume verloren, zudem werden von der konventionellen Landwirtschaft in noch kaum verringertem Umfang Pestizide ausgebracht und es erfolgt eine üppige Düngerausbringung. Vom Vogel des kommenden Jahres, der Turteltaube bemerken wir allenfalls und mit viel Glück noch einzelne Durchzügler, die dem Trommelfeuer im Mittelmeerraum entkommen sind und die dann bei uns auf ausgeräumte Landschaften stoßen.

Wertvoll und notwendiger denn je ist die Biotopvernetzung mit naturschutzgerechter Bewirtschaftung, personell ausreichend unterstützt von kenntnisreichen Biotopbetreuern vor Ort. Vielerorts fehlen geeignete Verordnungen zu gefährdeten Schutzgebieten; durch ihr Fehlen ist es auch kaum möglich, Fehlverhalten zu sanktionieren. Wo auf die „Vernunft des Bürgers“ gehofft wird, bleibt die Natur in vielen Fällen weiterhin Beeinträchtigungen und Störungen preisgegeben.

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Bedanken möchte ich mich am Ende des Jahres wieder bei allen, die ihre Beobachtungen in der Natur melden, sei es an das Portal www.ornitho.de oder direkt an die Ornithologische Gesellschaft in Bayern. Ohne die ehrenamtlichen Vogelbeobachter wären ein Vogelmonitoring und die wichtige und dringend benötigte fortlaufende Erfassung der bayerischen Vogelwelt nicht möglich. Außerdem freuen wir uns, dass im Jahr 2020 in Regensburg die 7. Bayerischen Ornithologentage durchgeführt werden mit interessanten und vielseitigen Vorträgen und Exkursionen. Dabei ist die Verleihung des Walter Wüst-Preises für Forschungsarbeiten junger Ornithologen unser zusätzlicher Beitrag, den Nachwuchs zu fördern – ganz im Sinne der Forderung nach besserer Artenkenntnis.

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Für Ihr Engagement und Ihre Treue danke ich Ihnen im Namen von Vorstandschaft und Beirat und verbleibe mit den besten Wünschen für 2020

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Ihr Manfred Siering

 

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